Michael Roth MdB
Staatsminister für Europa

Zur Person

Fragebogen von Max Frisch

1. Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Ja.

2. Warum?

Ich bin viel zu neugierig. Als Sozialdemokrat will man ja wissen, ob die Vision des guten Lebens in Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit endlich Wirklichkeit geworden ist.

3. Wem wären Sie lieber nie begegnet?

In meiner Kindheit habe ich zu viele Menschen getroffen, die andere vorrangig nach sozialer Herkunft beurteilt haben. Leider gehörten dazu auch einige meiner Lehrer.

4. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Ein gutes Gedächtnis ist viel wert. Es muss aber nicht absolut sein. Manchmal ist es hilfreich, etwas zu vergessen.

5. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Meine Großmutter.

6. Wen hingegen nicht?


Da fällt mir zum Glück niemand ein.

7. Hätten Sie lieber einer andern Nation (Kultur) angehört und welcher?

Ich lebe gerne in Deutschland und mag vor allem meine Muttersprache. Ich verstehe mich aber in erster Linie als deutscher Europäer. Unser Kontinent ist vielfältig, bunt und steht mir offen. Es gibt immer wieder Gelegenheit, andere Nationen und Kulturen kennen zu lernen. Wunderbar!

8. Wie alt möchten Sie werden?

Alt genug, um sagen zu können: ?Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?!?

9. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit?


Ja: ein weltweites Verbot der Todesstrafe.

10. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder in einem Kollektiv?


Hass ist neben der Liebe die extremste Emotion, zu der wir Menschen fähig sind. Auch wenn menschenverachtende Ideologien es immer wieder propagieren: Im Kollektiv zu hassen und ein Kollektiv zu hassen, ist meines Erachtens unmöglich. Ich mag eine Reihe von Menschen nicht, aber zur Zeit bin ich in der glücklichen Lage, niemanden zu hassen.

11. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden?

Ich werde (fast) jeden Tag ein bisschen klüger.

12. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

Es gibt nichts, was nicht noch besser werden könnte.

13. Was meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie sich selber übel?

Wenn mich meine Emotionen wie Zorn und Ungeduld wieder einmal überwältigen.

14. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Ja, außerordentlich.

15. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?


Hoffentlich bin ich nicht zu vielen etwas schuldig geblieben. Daher wäre mir der eine oder andere Ratschlag eines Verstorbenen lieber.

16. Lieben Sie jemand?

Ja.

17. Und woraus schließen Sie das?

Nur wer liebt und geliebt wird, vermag das wirklich Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

18. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Kulturelle Prägung. Das christliche Gebot: Du sollst nicht töten. Deshalb habe ich auch den Kriegsdienst verweigert.

19. Was fehlt Ihnen zum Glück?


Gelassenheit. Die Fähigkeit, ein Musikinstrument passabel spielen zu können.

20. Wofür sind Sie dankbar?


Gottes gutes Geleit. Geliebt zu werden.

21. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?

Auf einen Versuch als fliegender Vogel ließe ich es ankommen.


Michael Roth MdB

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